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Frauen nicht alleine lassen!

Das Präsidium der Bundesfrauenkonferenz im BDKJ hat zur Situation der Frauen während der Corona-Pandemie eine Stellungnahme verfasst.

Die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen infolge der weltweiten Corona-Pandemie manifestieren und vergrößern die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern. Als Präsidium der BDKJ-Bundesfrauenkonferenz stellen wir uns solidarisch an die Seite der Frauen und fordern Entscheidungsträger*innen in Politik und Gesellschaft auf: Lasst Frauen in dieser Ausnahmesituation nicht allein!

Für uns ist klar:

Menchen mit Berufen im sozialen Bereich, in der Pflege und im Einzelhandel sind systemrelevant. Ein Großteil der Angestellten in den aktuell besonders geforderten Berufen ist weiblich. Die Frauen sind einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt und gefährden häufig ihre eigene Gesundheit. Gleichzeitig werden viele dieser Berufe nicht angemessen bezahlt. Wir fordern: Die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften, Krankenschwestern, Sozialarbeiterinnen, Kassiererinnen – all derjenigen, die jetzt dafür sorgen, dass die Gesellschaft nicht still steht - müssen sich deutlich verbessern. Vor allem müssen diese Berufsgruppen endlich besser entlohnt werden!

Gewaltschutz ist systemrelevant. Die Zahl der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen steigt in der aktuellen Krise. Gleichzeitig ist die Erreichbarkeit von Gewaltschutzeinrichtungen erschwert. Betroffene müssen Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen niedrigschwellig erreichen können. Dies gelingt jedoch häufig deshalb nicht, da diese Einrichtungen völlig überlastet sind. Es müssen dringend neue Kapazitäten geschaffen werden. Darüber hinaus sind diese Einrichtungen bundesweit als systemrelevant einzustufen! Auch geflüchteten Frauen muss der Zugang offenstehen. Mit seinem Vorbehalt zu Artikel 59 der Istanbul-Konvention entzieht sich Deutschland der Vorschrift, geflüchteten oder migrierten Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, ein eigenständiges Aufenthaltsrecht zu ermöglichen. Dadurch sind gewaltbetroffene Frauen ihren Peinigern schutzlos ausgesetzt. Die Bundesregierung muss deshalb endlich das „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ (Istanbul-Konvention) vollständig umsetzen!

Solidarität mit vulnerablen Gruppen ist systemrelevant. Die Frauen, die ohnehin schon am Rande der Gesellschaft leben, sind von der aktuellen Krise besonders betroffen. Wohnungslose Frauen haben häufig keine Orte, an denen sie Ruhe finden und vor Gewalt geschützt sind. Prostituierte haben keine Einnahmen und in vielen Fällen keine Unterkunft. Insbesondere viele nicht-deutsche Prostituierte sind von heute auf morgen obdachlos geworden. Sie können nicht oder nur schwer zu ihren Familien zurückkehren und drohen in den Untergrund verdrängt zu werden. Diese Frauen brauchen Unterstützung!

Hebammen sind systemrelevant. Seit Jahren fordern wir gemeinsam mit den entsprechenden Berufsverbänden eine Verbesserung der Situation von freiberuflichen und angestellten Hebammen in Deutschland. Sie sind essentiell für eine angemessene Versorgung rund um die Geburt. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen der Corona-Pandemie sind sie besonders gefordert, kreative und digitale Lösungen zu finden, um Schwangere gut zu betreuen. Doch eine Vor- oder Nachsorge bedarf auch des persönlichen Kontakts mit der Schwangeren. Hebammen müssen in der Gesundheitsversorgung mitberücksichtigt und ausreichend mit Schutzausrüstung ausgestattet werden!